the afterlife of voids & traces

Die Arbeit the affective afterlife of voids and traces beschäftigt sich mit fünf Orten, die Spuren von Naziverbrechen zeigen: Schienen, die nirgendwo mehr hinführen, die aber nach genauer Recherche mit umliegenden Außenlagern in Zusammenhang standen. Bunkerreste in Wäldern, Laternen, die Orten der Zwangsarbeit zugeordnet werden können. Oftmals findet an diesen Orten keine oder unzureichende Vermittlung von Wissen über sie statt. Unzureichend bedeutet, was sich immer spüren aber schwer in Worte fassen lässt: denn nicht selten stellt sich das Gefühl ein, Orte des Gedenkens würden nur soweit geschaffen, wie es „eben sein muss“. Dies findet durch verschiedenste Formen Ausdruck: die gewählten Formulierungen wirken nur allzu oft so, als wären Nazis eines Tages mit einem Ufo gelandet. Ganz so, als wäre nicht jede Stadt, jeder Ort ein aktiv wissender und handelnder Teil des Holocaust gewesen. Immer noch wird in diesen Texten versucht, die Schuld zu nicht greifbaren „Dritten“, den Nazis, unter Verschleierung der Tatsache, dass es die Stadtbewohner:innen selbst waren, zu verschieben, dafür die Grausamkeit des Krieges an sich in den Vordergrund zu stellen (der ja für „alle“ schlimm war) und die vorbildliche Erinnerungskultur Deutschlands zu betonen. Es findet auch Ausdruck in einem der zahllosen Gedenksteine am Straßenrand, auf dessen unebener und dunkler Oberfläche ebenso dunkle Buchstaben angebracht oder eingehauen wurden, die kaum lesbar sind, selbst dann nicht, wenn man direkt davor stünde, doch das ist nicht selten unmöglich. Sie stehen oft am Rande vielbefahrener Straßen, ohne eine Möglichkeit anzuhalten. So wird nicht einmal klar, wofür diese Steine stehen, sie könnten ebenso einen Motorradunfall betrauern oder zum Wald-Erlebnispfand in 5km Entfernung verweisen. Im Gegensatz dazu stehen Denkmäler der Weltkriege in bestens restauriertem Zustand, groß, nicht zu übersehen und meist umgeben von gut gepflegten Grünanlagen in jeder Ortschaft. Diesen letzten Punkt könnte man nun noch weiter diskutieren, das ist jedoch nicht Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzungen in diesen Arbeiten. Es geht vielmehr darum, was mit den mehr und mit den weniger sichtbaren Spuren geschieht: oftmals gar nichts. Sie werden dem Verfall überlassen, einverleibt oder abgerissen. Sie werden unsichtbar gemacht ohne tatsächlich versteckt zu werden. Man begnügt sich damit, dass sie „untergehen“ im Waldboden, zwischen Baumstämmen, unter neuer Nutzung ihrer Flächen.

Das Nachleben der Leerstellen, der Spuren und ihrer Geschichten, ist dennoch spürbar, sichtbar, hörbar, sobald man um ihre Existenz weiß. Dann ist es, als würden sie leuchten zwischen dem Geäst oder in einer Reihe von Häusern und jedes Mal, wenn man ihnen folgt, erweisen sie sich als wahr.

Die Arbeit the affective afterlife of voids and traces wurde 2022 im orbit Altona, Hamburg (DE) gezeigt.

You take a walk.

In a forest in Germany.

You leave the path where people run with their dogs.

Mossy concrete slabs on the forest floor under your feet.

You take a walk

Across a meadow at the edge of the forest

Over rails that vanish beneath some roots

You take a walk

And among the trees

You notice partly ruinous buildings

You take a walk

Through an industrial zone

And between trash cans and trucks

The road leads to such old buildings

You take a walk

On a cold winter’s day

And between the ranks of bare trees

Lanterns tower high in their tops

You take a walk

Through the vibrant city.

And you’re always surrounded by those places and their stories

Every time your steps stop,

You are already standing at one of them

Since they are

always  everywhere.

And it’s not the places that are silent about their stories.

It is the ones that make them disappear

It’s those who organise memory. On large sites

Who then shall speak

For all of them

You take a walk – Julia Stolba, 2022

fotocredits: Stefan Wahler